Tipp-Nr. 4: Einkauf & Industrie 4.0

Die aktuelle Frage:

Helmut D. aus Frankfurt a. M.: „Welche Folgen hat die Industrie 4.0 für den Einkauf?" 

Antwort:  Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC im Jahr 2014, gehen vier von fünf Einkaufsmanager davon aus, dass die Digitalisierung der Produktion die Kooperation von Einkauf, Entwicklung und Produktion verstärken wird. Befragt wurden allerdings nur 110 Einkaufsleiter. Die DETECON Consulting GmbH vertritt in einer Pressemitteilung die Ansicht, dass dem Einkauf in der Industrie 4.0 die Marginalisierung droht. Wer liegt richtig? Vielleicht beide. Sicher ist, die Industrie 4.0 ist das größte Rationalisierungsprojekt aller Zeiten für die industrielle Fertigung. Das bedeutet, der Einkauf ist gefordert. Das bedeutet aber auch, dass viele Arbeitsplätze, die es heute noch gibt, zukünftig verschwinden werden. Wenn sich erst die Produktionsmaschinen digital mit dem Lagerbestand und den Lieferanten in Echtzeit „unterhalten“, wird die Bestellung durch den Einkauf überflüssig.

Industrie 4.0 – Digitalisierung der Fertigung

Welches Waschmittel gehört in die Flasche? Wie muss der Rohling geschliffen werden? Wohin muss das Ersatzteil gesandt werden? Im Zeitalter der Industrie 4.0 geben die Produkte selbst die Antwort und informieren die Maschinen, was mit ihnen passieren soll. Kurz: Die Objekte werden intelligent. Sie tragen Barcodes oder RFID-Chips auf der Oberfläche, die die entsprechenden Informationen enthalten. Scanner und Computer lesen die Daten aus, übermitteln sie online weiter – und sorgen dafür, dass die Maschinen richtig agieren. Auf diese Weise kommunizieren die smarten Objekte miteinander. Es entsteht ein Internet der Dinge und Dienste. Die physikalische Welt und die virtuelle Welt verschmelzen zu cyber-physischen Systemen.

Die vernetzte Fabrik

Die vierte industrielle Revolution zeigt sich aber nicht nur am Transportband in der Werkshalle, sondern verändert auch die Welt vor den Fabriktoren. Die gesamte Produktionslogik wandelt sich. Intelligente Maschinen und Produkte, Lagersysteme und Betriebsmittel werden konsequent mittels ITK verzahnt – entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Logistik über Produktion und Marketing bis zum Service.

Ein Beispiel:

Ein Bauteil im Auto ist künftig so ausgestattet, dass es kontinuierlich Daten über seinen Zustand sammelt und mitteilen kann, wenn ein Austausch nötig wird – und das, bevor es zum Ausfall kommt. Das Produkt sendet selbstständig eine Mitteilung an den Hersteller, dass Ersatz gefertigt werden muss. Die Bestellung enthält neben genauen Angaben zum Fahrzeugtypen auch die Information, wohin das Bauteil anschließend versandt werden muss. In der Fabrik wird der Auftrag bearbeitet, die Maschinen konfigurieren sich selbst so, dass das passende Teil gefertigt wird und schicken es schließlich auf die Reise an den richtigen Zielort. Der Termin in der Werkstatt ist dann bereits vereinbart – auch darum hat sich das Auto gekümmert.

Individueller, flexibler, schneller

Die Vision zeigt, dass Industrie 4.0 ganz neue Anforderungen an Produktionssysteme und Maschinen stellt. Sie müssen anpassungsfähig sein, da die zu fertigenden Produkte ständig wechseln können. Im Ergebnis heißt das: Die Produktion wird individueller, flexibler und schneller. Die vierte industrielle Revolution bietet damit das Potenzial, aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern. Quelle: plattform-i40.de