Tipp-Nr. 1: Das Lieferantenleitbild

Die aktuelle Frage:               

"Wir sollen Grundsätze für den Umgang mit Lieferanten erarbeiten und präsentieren. Wie kann das aussehen?" 

Antwort:  

Das zeitgemäße Verhalten gegenüber Lieferanten müssen Sie in einem Leitbild definieren. Die Art und Weise, wie Lieferanten von den Mitarbeitern Ihres Unternehmens behandelt werden sollen, muss allen, die Lieferantenkontakte haben, bekannt sein.

Ein Leitbild erarbeiten

Auf der Vertriebsseite sind klare „Spielregeln zur Kundenbehandlung“ häufig anzutreffen – meistens auch schriftlich im Leitbild des Unternehmens niedergelegt.

Praxis-Beispiel: Kunden-Leitbild der Aerni Holding

„Die Kunden sind die Zukunft unseres Unternehmens

Der Kunde ist die wichtigste Person in unserem Unternehmen, gleich, ob er persönlich da ist oder schreibt oder telefoniert. Er hängt nicht von uns ab, sondern wir von ihm.

Der Kunde ist keine Unterbrechung unserer Arbeit, sondern ihr Sinn und Zweck. Er ist jemand, der uns seine Wünsche bringt. Unsere Aufgabe ist es, diese Wünsche Gewinn bringend für ihn und uns zu erfüllen. Er ist keine kalte Statistik, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Vorurteilen und Irrtümern behaftet. Er ist nicht jemand, mit dem man ein Streitgespräch führt oder seinen Intellekt misst. Es gibt niemanden, der je einen Streit mit einem Kunden gewonnen hat. Er ist kein Außenstehender, sondern ein lebendiger Teil unseres Geschäftes. Wir tun ihm keinen Gefallen, indem wir ihn bedienen, sondern er tut uns einen Gefallen, wenn er uns Gelegenheit gibt, es zu tun.“

Wichtig: Dass Anspruch und Realität oft auseinanderklaffen, liegt in der Natur der Sache. Ein bestimmtes Verhalten zu definieren und es tatsächlich auch zu zeigen, ist ja bekanntlich zweierlei. Je größer die Gruppe der Mitarbeiter, die Lieferantenkontakte pflegen, desto schwieriger ist es, diese unter einen Hut zu bekommen.

Das Lieferanten-Leitbild

Legen Sie unmissverständlich fest, wie Ihr Team Lieferanten zu behandeln hat. Canon in der Schweiz hat beispielsweise Folgendes dazu aufgeschrieben und sogar im Internet veröffentlicht: „Unsere Lieferanten müssen zu Canon passen und werden aufgrund unserer hohen Qualitätsund Umweltstandards ausgewählt. Unsere Lieferanten haben in uns einen loyalen, einsatzbereiten Partner, und wir fördern bewusst die gute Zusammenarbeit. Die Qualität der Produkte und Leistungen unterliegt einer permanenten Überprüfung.“

Wichtig: In jedem Unternehmen gibt es Lieferanten, Kunden und auch Mitarbeiter, die nicht zum „Geist des Hauses“ passen.

Im Firmen-Leitbild eines Wellness-Hotels heißt es zum Beispiel: „Wir zeigen uns, in Wort und Handlung, regelmäßig als ‚Freundlichkeitstäter‘.“

Ein höflicher und freundlicher Umgang mit Lieferanten schließt den konsequent leistungsorientierten Fokus keineswegs aus.

Lieferpartnerschaft? Ja, aber zu reellen Bedingungen

Das Verhältnis zu Lieferanten ist speziell. Weil es eine besondere Beziehung ist – ein reines Zweckbündnis. Die Leitziele auf beiden Seiten sind identisch. Jeder möchte Vorteile (z. B. Geld, Marktanteile) einsammeln. Aus diesem Grund beliefern marktmächtige Lieferanten auch die kleinen abhängigen Kunden und lassen diese nicht einfach links liegen.

Lieferantenleitbild 3.0

Hier ist ein Vorschlag der Einkäufer-Akademie:

  1. Lieferanten werden freundlich, fair und höflich behandelt.
  2.  Auf der Sachebene scheuen wir jedoch keine Konflikte.
  3. Gegenseitige Transparenz durch Zahlen und Fakten steht im Mittelpunkt der Geschäftsbeziehung.
  4. Wir wünschen uns eine Partnerschaft mit Lieferanten zu reellen Bedingungen.
  5. Lieferanten, die uns hintergehen und anders handeln als sie reden, können keine Vorzugslieferanten und langjährige Geschäftspartner sein.