Die aktuelle Frage:
"Welche konkreten Maßnahmen sollte der Einkauf ergreifen, wenn sich eine Energiekrise abzeichnet und mit steigenden Preisen zu rechnen ist?"
Antwort:
Wenn Energiepreise steigen, Lieferketten unter Druck geraten und erste Lieferanten Preiserhöhungen ankündigen, sollten Sie im Einkauf nicht abwarten. Gerade am Anfang einer Energiekrise entscheidet sich, ob Sie noch gestalten können – oder später nur noch auf Preissteigerungen und Engpässe reagieren.
Jetzt kommt es darauf an, schnell Klarheit zu schaffen und die richtigen Punkte anzupacken.
1. Wo trifft es uns überhaupt?
Der erste Schritt ist simpel, aber entscheidend: Sie brauchen Transparenz. Welche Materialien sind besonders energieintensiv? Bei welchen Vorprodukten machen Energie oder Transport einen großen Teil der Kosten aus? Und wo hängen Sie möglicherweise an einem einzigen Lieferanten? Schauen Sie sich vor allem rohstoffintensive Teile, energieintensive Vorprodukte und kritische Lieferanten genauer an. Wenn Sie nicht wissen, wo Ihre größten Risiken liegen, können Sie auch keine Prioritäten setzen.
2. Früh mit wichtigen Lieferanten sprechen
Warten Sie nicht, bis die ersten Preiserhöhungen auf Ihrem Tisch liegen. Gehen Sie frühzeitig auf Ihre wichtigsten Lieferanten zu und fragen Sie nach, was noch durch Vereinbarungen gesichert werden kann und wo sich Belastungen bereits abzeichnen: bei Energie, Rohstoffen, Transport oder Kapazitäten. Es geht dabei nicht um Alarmismus. Sie wollen schlicht ein realistisches Bild bekommen. Je früher Sie erkennen, wo Probleme entstehen können, desto größer ist Ihr Handlungsspielraum.
3. Versorgung kritisch prüfen
Ein weiterer Punkt ist Ihre Versorgungssicherheit. Prüfen Sie bei wichtigen Materialien die aktuellen Bestände und Reichweiten. Wie lange können Sie weiter produzieren, wenn Lieferzeiten steigen oder ein Lieferant ausfällt? Natürlich müssen Sie jetzt nicht jedes Teil auf Lager legen. Aber bei kritischen Komponenten ohne echte Alternative kann ein etwas höherer Bestand durchaus sinnvoll sein.
4. Preisforderungen nicht einfach akzeptieren
In Energiekrisen versuchen viele Lieferanten, steigende Energie- oder Rohstoffkosten weiterzugeben (siehe Verhalten und Begründungen der Mineralölkonzerne an den Tankstellen). Nicht jede Forderung ist automatisch berechtigt oder in der geforderten Höhe berechtigt.
Analysieren Sie deshalb genau: Welche Kosten sind tatsächlich gestiegen? In welchem Umfang? Und seit wann? Gute Einkäufer akzeptieren keine pauschalen Argumente, sondern nutzen die Preis- und Kostenstrukturanalyse zur Prüfung von Lieferantenpreisforderungen.
5. Alternativen zumindest prüfen
Parallel dazu lohnt sich ein Blick auf mögliche Alternativen. Gibt es Zweitlieferanten? Technische Anpassungen oder alternative Spezifikationen? Nicht alles lässt sich sofort umsetzen. Aber wenn Sie erst im akuten Engpass anfangen zu suchen, sind Ihre Möglichkeiten meist sehr begrenzt.
Wichtig: Es besteht die realistische Gefahr, dass der Krieg mit dem Iran länger dauert, als von den USA angekündigt.
Autor: Jens Holtmann
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Jens Holtmann
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