Die aktuelle Frage: 

"Wie können wir ohne Industriestrompreis trotzdem günstiger einkaufen?"

Antwort:

Der geplante Industriestrompreis ab 2026 (die EU muss noch zustimmen) wird als große Entlastung kommuniziert. Für die meisten mittelständischen Unternehmen gilt jedoch: Sie profitieren nicht davon. Deshalb kommt es jetzt stärker denn je darauf an, wie Sie Ihren Energieeinkauf strukturieren. Genau hier können Sie Kosten reduzieren, Risiken vermeiden und Preisstabilität in Ihre Kalkulation bringen.

 1. Subventionen für 91 Branchen

Der Preisdeckel richtet sich ausschließlich an definierte, stark energieintensive Branchen. Sie erhalten den Industriestrompreis, wenn Ihr Unternehmen zu den 91 beihilfeberechtigten Sektoren (nach der KUEBLL-Liste, ab Seite 84) gehört.

Für alle anderen Unternehmen gelten weiterhin die regulären Marktpreise – und diese werden auch künftig von Angebot und Nachfrage sowie geopolitischen Einflüssen geprägt.

Der Energieeinkauf muss bei allen, die nicht subventioniert werden jetzt noch weiter optimiert werden: klare Ausschreibungen, saubere Lastgangdaten und externe Dienstleister sorgen für eine optimierte Energiebeschaffung.

Ausführliche Informationen zur geplanten Industriestrompreissubvention mit Zahlenbeispielen und dem Prozedere finden Sie hier.

2. Nutzen Sie bewährte Beschaffungsfenster

Viele Verträge werden traditionell im Dezember abgeschlossen – meist aus Gewohnheit. Doch genau in dieser Phase sind die Preise erfahrungsgemäß selten günstig.

Bessere Zeitpunkte:

• Frühjahr, wenn Winterrisiken abgebaut sind

• Spätsommer/Herbst, wenn die Märkte oft stabiler sind

• Kurze Preisdellen nach positiven Markt- oder Speicherständen

Ihr Vorteil: Wer nicht auf ein Datum fixiert ist, sondern mit definierten Zeitfenstern arbeitet, verhandelt ganz andere Preisniveaus.

3. Verlangen Sie volle Transparenz in den Angeboten

In vielen Angeboten steckt die Musik nicht im Energiepreis – sondern in Kostenbestandteilen, die selten hinterfragt werden:

  • Profil- und Strukturkosten
  • Risikoaufschläge wegen fehlender Lastgangdaten
  • Aufschläge für Flexibilitäten oder Unsicherheiten

Ihr Vorteil: Wenn Sie diese Komponenten offenlegen lassen, sinken Risikoaufschläge oft um 5–15 %. Viele Lieferanten kalkulieren automatisch höher, wenn sie Ihr Verbrauchsverhalten nicht kennen.

4. Vorsicht: Flexible Modelle funktionieren nur mit klaren Regeln

Tranchenmodelle, Spotanteile oder strukturierte Beschaffung sind leistungsfähige Werkzeuge – aber keine Selbstläufer.

Sie funktionieren nur, wenn intern festgelegt ist:

  • Wer entscheidet bei Preissignalen?
  • Welche Preisschwellen gelten?
  • Wie viele Tranchen werden genutzt?
  • Wie schnell kann freigegeben werden?

Ihr Vorteil: Wenn diese Regeln stehen, erzielen flexible Modelle oft bessere Jahresdurchschnittspreise als Festpreise – aber ohne Kontrollverlust.

 5. Externe Dienstleister: Ja – aber nur die richtigen

Viele Energiedienstleister verdienen an der kWh. Das sorgt dafür, dass Sie automatisch mehr zahlen, je höher Ihre Kosten steigen. Das ist kein Einkaufsmodell – das ist ein Fehlanreiz.

Achten Sie darauf, dass ein externer Dienstleister:

  • unabhängig vergütet wird (Festpreis oder Pauschale)
  • Ihre Lastgangdaten analysiert
  • mehrere Lieferanten einbezieht
  • eine nutzbare Beschaffungsstrategie erstellt
  • klare Preisfenster und Triggerpunkte definiert
  • als Einkaufskooperation agiert

Ihr Vorteil: Sie erhalten professionelle Marktbeobachtung, saubere Ausschreibungen, bessere Preise und bessere Beschlussgrundlagen – ohne versteckte Margen.

Tipp: Wenn Sie an einer Liste für Energiedienstleister interessiert sind, schreiben Sie an service[at]einkaeufer-akademie.de

Fazit

Der Industriestrompreis verzerrt den Wettbewerb auf Steuerzahlerkosten. Anstatt die Gründe für die hohen Energiekosten zu beseitigen und das Angebot auszuweiten, wird künstlich in den Markt eingegriffen. Die Unternehmen, die zu den 91 Wirtschaftszweigen gehören haben Glück, alle anderen ist  entscheidend, wie professionell Sie jetzt einkaufen. Wer Preisfenster nutzt, Angebotsbestandteile konsequent prüft und externe Unterstützung gezielt einsetzt, sichert sich Vorteile.

Autor: Jens Holtmann

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Jens Holtmann
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